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Stellen Sie sich vor, Sie müssten einem Menschen, der kein Wort in Ihrer Sprache spricht, Deutsch beibringen. Keine einfache Aufgabe, speziell wenn man kultursensible Beratung und Behandlung mit berücksichtigt. Die Initiative "Bilk ist bunt", die von Karola Klausmann vor etwa drei Jahren ins Leben gerufen wurde, sorgt auf ehrenamtlicher Basis dafür, dass der Einstieg in die fremde Sprache gelingt.

Der Standort könnte nicht besser gewählt sein. Mitten im Herzen von Bilk – nämlich im Bürgerhaus in den Bilker Arcaden – wird zweimal pro Woche Deutschunterricht für Migranten angeboten, und zwar jeweils Dienstag und Donnerstags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr. Karola Klausmann, welche für die Initiative verantwortlich ist, hat ein besonderes Faible für fremde Kulturen. In Bilk, so erzählt sie, leben viele Menschen mit Migrationshintergrund. Als Konrad Schnabel, der das Bügerhaus leitet, sie fragte, ob sie einen Namen für die Initiative hätte, fiel ihr daher spontan ein: "Bilk ist bunt".

So bunt wie der Stadtteil, so bunt fällt auch der Unterricht aus. Die Menschen, die hier unterrichtet werden, stammen aus allerlei Herren Länder: Afghanistan, Iran, Griechchenland und Polen, um einige Beispiele zu nennen. Dabei erfolgt das Heranstasten an die deutsche Sprache in kleinen überschaubaren Gruppen, so dass der persönliche Kontakt und ein kultursensibles Coaching gewährleistet sind. Während Barbara Kück-Drexler, Adriana Floriano Späth, Paochen Chung und I-Shu Chen als Sprachmittler verschiedene Gruppen leiten, übernimmt Frau Klausmann häufig auch die Einzelbetreuung. Da geht es u. a. darum, erst einmal den Zugang zu den Leuten zu schaffen, die gerade hier angekommen sind und bestehende Blockaden zu lösen.

Der Bedarf an weiteren Sprachmittlern ist groß. Neben der Freude an Sprache und interkultureller Verständigung sind auch Organisationstalent und Improvisationsfähigkeiten gefragt. Frau Klausmann ist nicht nur als Sprach-, sondern ebenso als Integrationsmittlerin aktiv. So kommt es auch vor, dass sie mit einzelnen Migranten Gänge zum Ausländeramt oder zum Sozialamt tätigt. Das passt gut zu ihrem bisherigen Erfahrungshintergrund: Sie selber arbeitete, bevor sie in Rente ging, sehr lange für das Jugendamt des Kreises Viersen und eignete sich nebenbei in autodidaktischer Manier die Philosophie an – was ihr gerade in der Reflexion von unterschiedlichen Lebensweisen und Kulturen stark zu Gute kommt .

Der Einstieg in die Sprache über Kultur und Poesie

"Wir sind der Einstieg in die Sprache. Auf dem geringsten Niveau versuchen wir beispielsweise Landeskunde zu vermitteln. Aber langfristig brauchen die Menschen, die wir unterrichten, natürlich alle einen Intensivsprachkurs", erläutert Frau Kück-Drexler die Situation. Sie selber teilt zusammen mit Frau Klausmann, Adriana Floriano Späth, Paochen Chung und I-Shu Chen das Engagement und den Enthusiasmus für die Vermittlung zwischen den Kulturen. Die Brasilianerin Adriana Floriano Späth und die Taiwanesen Paochen Chung und  I-Shu Chen sind zudem herausragende Beispiele dafür, wie der Wechsel vom einstigen Teilnehmer zum Spachmittler gelingt. So ist Herr Chen um die Jahrtausendwende nach Deutschland gekommen, um an der Kunstakademie in Düsseldorf zu studieren. Nach einer zufälligen Begegnung mit Frau Klausmann in der Spieloase in Bilk, wo sie Schillergedichte vortrug, erfuhr Herr Chen von der Initiative "Bilk ist bunt", nahm dort nach relativ kurzer Zeit erfolgreich am Unterricht teil und übernahm darauf folgend den Part des Sprachmittlers.

Eine besondere Rolle spielt die deutsche Lyrik bei "Bilk ist bunt" – wie eben Gedichte von Schiller. Dank ihrer rhythmischen Struktur und ihres immensen Bilderreichtums bleiben Gedichte besser im Gedächtnis haften und erleichtern somit den Zugang zur deutschen Sprache. Dies gilt insbesodere für Menschen mit Migrationshintergrund, die weder schreiben noch lesen können. "Ich betreue derzeitig einen Mann aus Afghanistan", erzählt Frau Klausmann, "der kann weder schreiben noch lesen und ist somit vollkommen hilflos." Was macht also die Vermittlung in diesem Zusammenhang aus? "Gesten und Bilder werden zunehmend wichtiger", sagt sie. "Ich kommuniziere dann mit Händen und Füßen. Nehme mir ein Wort vor, etwa das Wort `schön´ und suche dazu die passende Passage aus einem Gedicht."

 

 


Monika Milan (singend) zusammen mit Marcela Garcia und Bruno Klausmann
(beide mit Gitarre) beim Musizieren im Rahmen der Veranstaltung "Bilk ist bunt: Dichter gesucht".

Auf der anderen Seite motiviert gerade Poesie dazu, die eigene Angst zu überwinden und vor einer größeren Gruppe vorzutragen. Auch im öffentlichen Raum ist die Initiative "Bilk ist bunt" präsent. So wurden beispielsweise am 12. April diesen Jahres in der Stadtteilbücherei Bilk im Rahmen der Veranstaltung "Bilk ist bunt: Dichter gesucht" Gedichte zum Frühlingserwachen vorgetragen. Die besten Einsendungen wurden dabei von Bezirksvorsteher Walter Schmidt prämiert und mit Musikbegleitung präsentiert – die u. a. Bruno Klausmann auf der Gitarre übernahm, der selber im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales tätig ist und seine Frau in ihrem Engagement tatkräftig unterstützt. Gerade solche öffentliche Veranstaltungen eröffnen Kindern und Jugendlichen einen Zugang zur deutschen Sprache der etwas anderen Art. "Ich erinnere mich noch gut daran, als ein kleines Mädchen aus Sri Lanka, die noch nicht so gut sprechen konnte, auf meinem Schoß saß und dann sagte: `Nächstes Jahr komme ich auch zu Dir und werde den Zauberlehrling vortragen.´"


Wer Freude daran hat, als Sprachmittler innerhalb der Initiative "Bilk ist bunt" tätig zu werden, kann sich bei Karola Klausmann per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder unter der Telefonnummer 01578/7529301 melden.

Foto "Sprachpuzzle": madmaharaja / flickr.com

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