Suchen

"Engagement der Bürger". Interview mit Herbert Richter


Das regionale Magazin für Unternehmer & Führungskräfte, 1/2012

Seit einigen Jahren fördert eine Gruppe engagierter Düsseldorfer das bürgerschaftliche Engagement in der Landeshauptstadt. Business4 sprach mit Herbert Richter, der zum Vorstand des Vereins Düsseldorf-aktiv.net gehört, über die Strategieen und Ziele.

b4: Wann und warum wurde die Plattform Düsseldorf-aktiv.net gegründet?

Herbert Richter: Im Herbst 2005 planten wir – eine Gruppe von engagierten Düsseldorfer Bürgern – das bürgerschaftliche Engagement in unserer Stadt zu fördern. Die Motive für unser Engagement waren unterschiedlichster Art. Einige sahen die demografische Entwicklung, andere die Stärkung der Eigeninitiative oder die Überwindung der Gleichgültigkeit als ihre Motive.

Vorausgegangen war eine Bestandsaufnahme der ehrenamtlichen Angebote in der Stadt und die Auseinandersetzung mit der im Jahre 2002 von der Stadt veröffentlichten Studie zum ehrenamtlichen Engagement in der Stadt Düsseldorf. Fazit war, dass ein Internetportal nach der Veröffentlichung der Studie geplant war, aber nie realisiert wurde. Es gab keinen Überblick über die Vielfalt der Möglichkeiten des Engagements.

Nicht nur auf dem Gebiete der Jugendhilfe, Seniorenarbeit und anderen sozialen Angelegenheiten ist das Ehrenamt gefragt, sondern auch in den Feldern des Sports, der Kultur, des Umweltschutzes, der Internationalen Organisationen, der Rettungsdienste und der Unternehmen wird das Engagement in unterschiedlichster Art möglich. Wir wollten mit dem Internetportal für ehrenamtlich Interessierte Information und Orientierung bieten und die Engagementfelder sichtbar machen.

b4: Um welche Schwerpunkte geht es konkret ?

Herbert Richter: Neben den etablierten Wohlfahrtsverbänden und städtischen Engagementbereichen hat der ehrenamtlich betriebene duesseldorf-aktiv.net Verein durch die Internetpräsenz und die Aktivbörse einen eigenen Schwerpunkt gesetzt, der den interessierten Ehrenamtlichen Orientierungshilfe und Rat in der undurchsichtigen und nichttransparenten Ehrenamtslandschaft bietet.

Im Portal können sich Düsseldorfer Organisationen mit ehrenamtlichem Bedarf ins Netz stellen. Sie geben dem interessierten Ehrenamtlichen einen Überblick über die Vielfältigkeit ehrenamtlicher Arbeitsfelder und Träger. Momentan haben wir etwa 140 ehrenamtliche Stellen in der Börse verzeichnet.

Auch können sich Personen in der Börse als Individuum den Trägern anbieten und ihre Schwerpunkte für das Ehrenamt vorstellen. Dies geschieht allerdings eher selten. Information und Beratung zur ehrenamtlichen Arbeit findet zwei- bis dreimal wöchentlich statt. In der zwei- bis dreistündigen Sprechstunde können sich Interessenten persönlich, telefonisch, sowie per Email beraten lassen. Die häufigsten Beratungsanlässe sind dabei Wünsche nach Orientierung und Information über ehrenamtliche Arbeitsfelder, sowie die Vermittlung in geeignete Stellen. Weitere Themen sind unter anderem Stelleneintragungen, Hilfe bei der Bedienung der Internetseite, die Vorstellung eigener Projektideen, Informationen zu ehrenamtlichen Fortbildungsmöglichkeiten und Kooperationen mit Unternehmen und Institutionen.

In Zusammenarbeit mit der Akademie für Ehrenamtlichkeit in Berlin führen wir zudem jährlich eine Fortbildung zum Freiwilligen-Koordinator durch.

Bei Bedarf werden auch individuelle Kurse im Bereich Ehrenamtstätigkeit nach Vorschlägen von Interessierten durchgeführt.

b4: Welche Projekte konnten Sie in den vergangenen Jahren erfolgreich initiieren?

Herbert Richter: Die „Willkommen in Düsseldorf“– Initiative ist inzwischen mit einer eigenen Internetseite im Netz vertreten. In Zusammenarbeit mit dem Goetheinstitut, dem Studentenwerk, der Volkshochschule, der Universität, dem Internkulturelles Migrantenzentrum e.V. und der Fachhochschule werden zur Orientierung von Neubürgern regelmäßige Treffen, Exkursionen, Sprachkurse und Stadterkundungen durchgeführt, sowie Hilfe bei Behördengängen angeboten.

Im Patenschaftsprojekt für ausländische Studenten helfen engagierte Düsseldorfer Bürger Studenten aus aller Welt beim Einleben in Düsseldorf. Aus der Zusammenarbeit mit dem Goetheinstitut und dem Studentenwerk ist die Idee der Patenschaften für ausländische Studenten geboren worden. Angesprochen werden Studenten, die Orientierungshilfen in Düsseldorf brauchen und Ansprechpartner(innen) als Paten wünschen.

Das im August 2008 gegründete Kabarett „Die Handlanger“ will auf kritisch-humoristische Weise die ehrenamtliche Arbeit hinterfragen und damit das Ehrenamt stärken.

b4: Sie haben inzwischen einige namhafte Sponsoren. Benötigten Sie viel Überzeugungskraft?

Herbert Richter: Nein. Viele Unternehmen sehen in unseren Aktivitäten eine Bereicherung der Ehrenamtstätigkeiten in Düsseldorf. Unser Verein bekommt teilweise auch die Möglichkeit sich bei Sponsoren vorzustellen, da sie auch ihren Mitarbeiter, die bald in den Ruhestand gehen, eine Möglichkeit geben wollen, sich damit zu beschäftigen, wie sie ihren Ruhestand gestalten können.

b4: Warum sollten sich Unternehmer aus unserer Regionen auf Ihrer Plattform engagieren? Welche Vorteile haben sie dadurch?

Herbert Richter: Unternehmen engagieren sich nicht auf unserer Plattform, sondern wir arbeiten mit Unternehmen zusammen.

Die Unternehmen in Deutschland und der Welt entdecken in den letzten Jahren verstärkt das soziale Engagement ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, zum Beispiel den Zuwachs an sozialen Kompetenzen, und fördern auf vielfältige Weise sowohl ihre Angestellten, als auch Projekte von engagierten Trägern, sei es sozialer, ökologischer, sportlicher oder kultureller Herkunft.

Duesseldorf-aktiv.net e.V. beobachtet das Engagement der Unternehmen und begrüßt deren Initiativen, da die Unternehmen damit soziale Verantwortung für ihre Region und die Gesellschaft übernehmen.

Als Beispiel: Wir führten mit dem Goetheinstitut und der Unternehmensberatung Kienbaum Consult eine interkulturelle Begegnung von Studenten aus aller Welt, neuen Mitarbeitern von Kienbaum und Vereinsmitgliedern durch. Nach einer Kennenlernphase besuchten die Teilnehmer verschiedene internationale Vereine, Gesellschaften und Organisationen, trugen die gesammelten Eindrücke zusammen und werteten sie gemeinsam aus.

In Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Bain and Company veranstaltete der Verein auf dem Aktivgelände der Arbeiterwohlfahrt Düsseldorf-Wersten einen Community Day, wobei 30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Spielgeräte renovierten und mithilfe der Nachbarschaft ein großer Gartengrill errichtet wurde. Mit dem Lions Club International in Düsseldorf wurde vereinbart, in Kooperation mit der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt ein kulturelles Sonntag-Nachmittagscafé zu organisieren, welches mittlerweile monatlich stattfindet.